Einleitung

„Ein Witz ist der Kurzschluss zweier entgegen gesetzter Gedanken“

Sigmund Freud

 

Der Ruf der am „leichten Fach“ klebt, ist nicht der Beste. Zu einfach sieht’s aus die Leute zum Lachen zu bringen, zu wenig harte Arbeit scheint dahinter zu stecken. Wie kann man das Arbeit nennen, wenn man dabei offensichtlich Spaß hat? Arbeit muss wehtun, man muss es dem Künstler ansehen wie er sich quält, wie er leidet.

„Spaß macht man erst dann, wenn einem ernst ist.“

Johann Nestroy

 

Beim Humor merkt man allerdings rasch und ganz ohne dem Einfluss von Kritiken, ob’s einem gefällt: man kichert dreckig, wiehert animalisch, grinst vor sich hin oder schüttelt sich vor lachen – und das zumeist nicht gewollt. Es überkommt einen, kann nicht an sich halten, verliert die Kontrolle über sich selbst. Und um das zu erreichen, muss sich der Kabarettist, der Satireschreiber, der Komiker wahrlich anstrengen.

„Es ist einfach, jemanden zum Weinen zu bringen, aber zum Lachen – das ist schwer.“

Welche Dinge sind zu berücksichtigen und welche Techniken gibt es, die einem helfen, einen Text, ein Stück oder eine Ansprache humoristischer zu machen? Dazu dient dieser Textbeitrag mit vielen Beispielen und dem Versuch einer Einteilung. Von der Dreierregel, Metapher bis hinüber zu Sprach- und Wortspielen reicht die Palette. Viele Elemente werden dabei oft gleichzeitig verwendet und viele können hier nur kurz oder gar nicht erwähnt werden. Für einen kleinen Einblick, wie ein Text humoristisch aufgepeppt werden kann, sollte es reichen.

 

Vorab sei aber auch erwähnt:

„Mit einem Witz ist es wie mit einem Frosch: Wenn man den Frosch seziert, weiß man wie er funktioniert, er ist aber tot.“

 

Dreierregel

„Die Menschheit beschäftigt sich vor allem mit drei Fragen:
Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir nachher essen?“

Michael Niavarani

 

Der wichtigste humoristische Kunstgriff ist das Aufbrechen von erwarteten Mustern und Verhaltensweisen. Zur bekanntesten Technik von angehenden und fortgeschrittenen Humoristen zählt die Dreierregel. Die Elemente dieser Technik ruhen auf der folgenden Logik:

  • Vorstellung bzw. Einführung eines Gedankens oder einer Tatsache
  • Wiederholung und Festigung
  • Überraschende Wendung

Drei Männer stehen vor den Urinalen in der Herrentoilette mit dem Rücken zum Publikum. Offensichtlich sind sie bei der Verrichtung des kleinen Geschäftes. Der erste wird fertig, wendet sich vertraulich zum Publikum und sagt augenzwinkernd: „Meiner ist am längsten.“
Der zweite wird fertig, dreht sich zum Publikum um und sagt ebenso vertraulich: „Meiner ist am längsten.“
Nach einer Weile wird auch der dritte fertig, dreht sich um und sagt zum Publikum: „Ich kann am längsten.“

Die Hektiker

„Nackt!“

Die überraschende Wendung liegt dabei im Gegensatz, der durch eine Unter- bzw. Übertreibung oder die Wort- und Dialektwahl hervorgerufen wird. Viele Witze lassen in ihrer Struktur die Dreierregel erkennen.

Frauen suchen sich die Paarungspartner aus.

„Du darfst, du darfst nicht, du darfst es niemand erzählen.“

Bernhard Ludwig
Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit

Man muss aber vorsichtig sein. Eine „Zweierstruktur“ ist nicht üblich. Bei einer Zweierregel gibt es keine Bestätigung. Die Pointe wird schwächer, da keine Spannung aufgebaut wird. Bei einer Vierer- oder Noch-mehr-Regel hingegen werden weitere Bestätigungen eingeführt, die für die Pointe nicht unbedingt benötigt werden. Es tritt zwar nach wie vor ein Überraschungseffekt auf, er ist aber schwächer. Der »Grenznutzen« jeder weiteren Bestätigung sinkt.

Lehrer: „Wie heißt dieser Baum?“
Schüler 1: „Tannenbaum.“
Lehrer: „Richtig. Welche Bäume kennt ihr noch?“
Schüler 2: „Lindenbaum.“
Schüler 3: „Ahornbaum.“
Schüler 4: „Purzelbaum.“

Schulausflug

Metaphern & Vergleiche

Singlehrer: „Machen Sie den Mund auf!“
Der Schüler öffnet den Mund.
Singlehrer: „So machen sie eine Scheune auf, oder eine Garage, aber keinen Mund.“

Helmut Lohner & Otto Schenk
Auf den Flügeln des Gesanges
Hugo Paul Kiralyhegyi / Georg Kövary

Bei Metaphern wird ein Wort nicht in seinem ursprünglichen Sinne, sondern in einem übertragenen verwendet. Sowohl bei der ursprünglichen Bedeutung, als auch bei der übertragenen besteht eine Ähnlichkeit.

„Der Auftakt beim Dirigieren ist ja sozusagen die Defloration der Stille.“

Otto Schenk

 

Die Sternstunde des Josef Bieder

Jeder vergleicht sich oder seine Charaktereigenschaften gern mit jemanden oder etwas, das einem schmeichelt. Wie gerne wären Kinder Superhelden oder wie die Barbiepuppe, wie sehr freuen wir uns, vergleicht jemand unsere Fähigkeiten und Talente mit den Besten auf dem Feld oder schreibt uns vergleichende Eigenschaften zu, die wir nie erreichen können, uns aber trotzdem oder gerade deswegen das Ego erhöhen hilft.

„Es ist unglaublich wie sehr die Frauen auf Stermann stehen! Und das obwohl ihm mittlerweile die Schuppen wie Geröll aus der Grauhaarperücke fallen.“

Stermann & Grissemann
Harte Hasen

Auf diese charakterliche Schwäche zielen im humoristischen Sektor Vergleiche ab. Wenn Dinge, Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen mit etwas verglichen werden, das im krassen Gegensatz zur erwarteten Schmeichelei steht, technisch absolut unmöglich ist oder mit scheinbar völlig an den Haaren herbeigezogenen Bildern aufwartet, dann ist der Pfad für eine Pointe geebnet.

„Fußballeuropameisterschaft in Österreich ist wie Schispringen in Namibia.“

Alfred Dorfer

Donnerstalk

Nehmen wir als Beispiel einen Brief an die Geliebte. Die zu erwartenden Vergleiche sollen die Verehrte mit den schmeichelhaftesten Eigenschaften ausstatten. Lippen so rot wie Rosen, Augen strahlend wie die Sterne und sonstiger romantisch hilfreicher Unsinn. Was macht ein Humorist daraus? Schauen wir uns die folgenden Zeilen an:

„Angebetete, Dein Zweifel nagt an mir, wie der Hamster das Korn [..]“
„[..] Nur wenige Morgen noch, dann wollen unsere Leiber übereinander herfallen, wie ein alter Mann über die Gehsteigkante [..]“

Martin Puntigam & Clemens Haipl
Meet + Greet

Wort- & Sprachspiele
Farkas: [..] „Ich weiss die Bedeutung jedes Wortes!“
Waldbrunn: „So? Also was ist eine Salonal-Bumserie?“
Farkas (verständnislos): „Eine – was?“
Waldbrunn (wiederholt): „Salonal-Bumserie…“
Farkas: „So ein Wort gibt es nicht.“
Waldbrunn: „Aha! Steht sogar in der Zeitung! (Reicht ihm ein Zeitungsblatt): Hier (liest): Wieder gibt es eine neue Salonal-Bumserie…“
Farkas: „Zeig her! (Wirft einen Blick in das Blatt, liest): Und wieder gibt es eine neue Salon-Album-Serie!“ [..]

Karl Farkas & Ernst Waldbrunn
Doppelconférence Salonal-Bumserie

Das absichtliche Missverstehen von Worten, die falsche Betonung, die Vermischung von Worten in ein neues oder einfacher Unfug stellen den Reiz von Wort- und Sprachspielen dar.

„Ach Grissemann, wenn sie sich umbringen wollen, müssen sie einen ‚Haartrockner‘ in die Wanne werfen, nicht einen ‚Hard Rocker‘.“

Stermann & Grissemann
Harte Hasen

Sehr oft legt man Wort- und Sprachspielereien in den Mund von Kindern – oder Erwachsenen mit beschränkten geistigen Fähigkeiten.

Lehrer: „Wie heißt das Land, das die Kalifen regieren?“
Schüler: „Kalifornien“

Schulausflug

Doppelbedeutungen

Schönes Sakko, das Sie da anhaben. Ist das kleinkariert?

Steinböck & Rudle
Best of Steinböck & Rudle

Mit den Wort- und Sprachspielen verwandt sind Doppelbedeutungen. Dabei wird nicht ein Kunstgriff am Wort selbst vorgenommen, sondern an der Verwendung im Gesamtzusammenhang, dem so genannten Kontext. Das Wort selbst ändert sich nicht, aber die Stellung zum Rest des Satzes, wie man im folgenden Beispiel erkennen kann:

Fahrprüfer: „Die Wagenpapiere, die Karten…“
Fahrschüler: „Während der Fahrt spiele ich nicht Karten.“

Helmut Lohner & Otto Schenk
Die Fahrprüfung
Willy Pribil

Sprichworte & Zitate

Wein oder nicht Wein, das ist überhaupt keine Frage.

Otto Schenk
Der größte Feind der Menschheit
Stefan Lukschy / Otto Schenk

Wer hat das nicht schon erlebt? Man beginnt einen Satz, und andere können ihn sofort weiterführen, ohne lange nachdenken zu müssen. Man nickt zustimmend, schwimmt auf der gleichen Welle, man versteht sofort was der andere meint.
Im kollektiven Gedächtnis schleppt jeder von uns hunderte vertraute Sprichworte und Zitate aus Bibel, Theater- und Fernsehproduktionen oder Überlieferung mit sich, die zur rechten Zeit angewandt Trost und Rat bieten können. Der hinterhältige Humorist allerdings stützt sich gerade auf diese Vertrautheit bei uns – und führt uns schnurstracks in den Gatsch.

„Wir haben uns immer an das alte irische Sprichwort gehalten: »Man ist erst dann richtig betrunken, wenn man nicht mehr ohne fremde Hilfe auf dem Rücken liegen kann.«“

Stermann & Grissemann
Harte Hasen

Wichtig ist auch die Bedeutungsschwere der Worte. Wie oft hat man in kritischen Situationen nicht schon ernste Worte gehört, das Schwerste vom Schwersten wird uns treffen.

„Wenn alle Stricke reißen, hänge ich mich auf.“

Johann Nepomuk Nestroy

Bildliche Darstellungen

„Sportliche Wände, so wie die schwitzen.“

Lukas Resetarits
Hinterholz 8

Bei einer bildlichen Darstellung wird ein absurder Vergleich zu einer ernst gemeinten Frage oder Aussage gezogen.

Sänger: „Na dann brauch ich gleich eine Orchesterprobe.“
Regisseur: „Orchesterprobe! Um die Zeit kriege ich nicht einmal einen blinden Zitherspieler.“

Otto Schenk & Oskar Czerwenka
Provinzregisseur

Lustige Worte
„Es wird sich um alles gekümmert.“

Lukas Resetarits

Alles Leiwaund

Lustige Worte zeichen sich einerseits oft durch die übertriebene Verwendund oder Zusammensetzung von in der normalen Sprache nicht oft vorkommenden Konsonanten und Vokalen aus, andererseits aber auch durch die falsche Verwendung oder Zusammensetzung von Wort- oder Satzteilen. Beliebte Konsonten sind K (Kakerlak klingt lustig) oder Z.

„Fizze Fizze Fazze“

Helge Schneider

Speziell Kinder können sich an langen und lustigen Namen sehr erbauen. Man erinnere sich nur an den Namen folgender bekannten Kinderbuchheldin:

„Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraims Tochter Langstrumpf“

Hier eine klassische Dreierregel, die mit den 3 K-s ein „K-rossover“ zu lustigen Worten macht:

„Ich habe mir das einfacher vorgestellt. Das Leben zwischen Kind, Karriere und Koitus.“

Andrea Händler
Einsendeschluss

Über- oder Untertreibung
„Wir wollten nach Shanghai. Dazu sind wir hingeflogen mit dem größten Flugzeug das je gebaut worden ist. Wir sind in Frankfurt eingestiegen und das Cockpit war bereits in Shanghai.“

Stermann & Grissemann
Harte Hasen

Im wirklichen Leben begegnet jeder von uns Zeitgenossen, die irreale Traumgebilde aufbauen können. Manche tun das so glaubhaft, dass einige oder viele auf diese Traumgebilde einsteigen und, für die Erfahrenen nicht überraschend, verlieren. Das sind die Opfer von Betrügern und Verführern. Dann gibt es die untalentierten Lügner, denen ein mit mittelmäßiger Intelligenz ausgestatteter sofort anmerkt, dass es sich nur um Hirngespinste handeln kann. Und dann gibt es diejenigen, die einem reale Flöhe ins Ohr setzen können: wir nennen sie Motivationskünstler – und bezahlen sie reichlich. Die letztendlich, die so unverschämt vor sich hin lügen, dass wir ihnen berauscht an den Lippen hängen bleiben und Zeit, Raum und unseren Harndrang vergessen, die nennt man Kabarettisten. „Münchhausen – Schau oba!“

„Ich hatte rechts vorne einen Reifen, der war so glatzert (abgenutzt), dass man durchgesehen hat bis auf die Felge.“

Gerold Rudle

Alles wird gut!

Das Rezept ist einfach: man nehme eine allgemein bekannte Tatsache, etwas das jeder von uns schon mal erlebt uns sich darüber geärgert haben könnte, und führe den Vergleich so lustvoll weiter, dass es unglaubhaft wird. Nichts einfacher als das? Genau!

Putzt einen Apfel mit seinem Sakko. „Ist ja furchtbar, was da für Gifte drauf sind. Man muss aufpassen, wenn man zu lange putzt, hat man ein Loch im Sakko.“

Michael Niavarani
Niavarani’s Kühlschrank

Gerade bei der Übertreibung verschmelzen oft mehrere andere Techniken, zum Beispiel Vergleiche und Gleichnisse.

„Unsere Wände sind so dünn, wenn ich Herzklopfen habe, nimmt mein Nachbar Baldriantropfen.“

Helmut Lohner & Otto Schenk
Elefantenkauf
Hugo Wiener

Viele Übertreibungen richten sich gegen andere Charaktere oder Geisteshaltungen. Manchmal böse gemeint, ein anders Mal sogar äußerst böse.

„Du bist so engstirnig, dass Du mit beiden Augen durch ein Schlüsselloch schauen kannst.“

Karl Farkas & Ernst Waldbrunn
Doppelconférence

Umkehrungen, Gegensätze

„Abschiedsbrief des poetisch veranlagten Stubenmädchens an ihren Verlobten, einem Elektriker.“

Peter Hammerschlag
Stubenmädchen

Man beginnt harmlos in einem bestimmten Stil, schraubt die Erwartungen des Lesers oder Publikums durch spezielle Wortwahl hinauf und dann täuscht man ansatzlos durch eine 180 Grad Drehung.

Gestern sagt ein Freund zu mir „Weißt Du Gerold, früher habe ich geglaubt die Frauen stöhnen bei mir, weil ich so gut bin. Jetzt weiß ich, sie stöhnen, weil ich so schwer bin.“

Gerold Rudle
Alles wird gut!

In den Nachrichten:
„Die Frau des Papstes hat ihm heute einen gesunden Sohn geboren.“

Hektiker

Und wie diese Technik im wirklichen Leben eingesetzt wird, zeigt das Beispiel eines gerade im Umbau befindlichen Kaufhauses:

Trotz Kundenverkehr ungestörter Umbau.

Kaufhaus Herzmansky

Logische und Unlogische
Waldbrunn: (tritt auf mit heiserer Stimme): „Servus, Karl…“
Farkas: „Servus Ernst, Du bist ja ganz heiser…“
Waldbrunn: „Leider. Ich habe einen Emmentaler gegessen, und da hat es so durch die Löcher gezogen. “

Karl Farkas & Ernst Waldbrunn
Doppelconférence

Definitionen
Was ist mutig?
Wenn man in die Wiener Staatsoper nur mit einer Badehose bekleidet geht.
Was ist übermütig?
Wenn man die Badehose an der Garderobe abgibt.
Was ist schlagfertig?
Wenn die Garderobenfrau fragt, ob man den Knirps auch abgeben will.

Die Erklärung eines bekannten Begriffes sollte doch einfach sein? Ein Humorist macht was anderes: er definiert mittels eines richtigen, aber völlig unerwarteten Vergleichs.

Lehrer: „Was ist eine Mücke?“
Schüler: „Mücken sind Tiere aus denen man Elefanten macht.“

Schulausflug

„Wenn ich Geld sage, dann meine ich jene Materie, die auf dem Weg zum Finanzamt flüchtig unsere Finger streift.“

Karl Farkas