Wir waren nicht dabei – Eine kurze Geschichte der Ausflüchte

Kommt es ihnen auch so vor, als ob sich in letzter Zeit die Unwissenheit in Österreich häuft? Bei den Milliardenverlusten der BAWAG war niemand wirklich verantwortlich, bei Meinl hat niemand Einfluss wer da Geld im Kreis herumschiebt und beim Abschieben von Ausländern sind alle nur an Gesetze gebunden, die von Unbekannten verabschiedet wurden. Unser Archiv zeigt, dass Österreich eine lange Tradition bei Ausflüchten hat.

„Oh Du lieber Augustin, alles ist hin.“
Aber keiner will gewusst haben, wer daran Schuld hat.

„Da tritt der Österreicher hin vor jeden, denkt sich sein Teil, und lässt die anderen reden.“
Franz Grillparzer, König Ottokars Glück und Ende.

„Das hab ich nicht gewollt.“
Kaiser Franz Joseph bei der Unterzeichnung der Kriegserklärung an Serbien.

„Wir waren nicht dabei.“
Österreicher, denen selbst das Rückgrat fehlte, etwas gegen die Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Regimes zu tun.

„Bevor ich Macht ausübe, gehe ich lieber nach Hause und streichle meinen Hund.“
Hans Dichand, Journalist und Zeitungsmacher der Kronen Zeitung

„Ich kann mich nicht erinnern.“
Kurt Waldheim im Bundespräsidentschaftswahlkampf auf die Frage, ob er bei der Waffen-SS gewesen sei.

„Ich bin aber dann ein einfaches Parteimitglied.“
FPÖ-Chef Jörg Haider, der bekanntermaßen keinen Einfluss hatte, was in seiner Partei vorgeht, bevor er dann das BZÖ gründete und die FPÖ hoch verschuldet verließ.

„Ich war nie ein Mitglied. Und seit 1990 habe ich keinen Kontakt mehr.“
Heinz-Christian Strache (FPÖ-Parteichef), nachdem er auf Fotos der neonazistischen Wiking-Jugend entdeckt worden war.

„Das finde ich grauslich.“
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, über die Abschiebungen von Asylwerbern, gedeckt durch ein von der SPÖ mit verabschiedetes, äußerst strenges Asylgesetz.

„EM 2008? In Österreich?“
ÖFB

„Wenn ich was zu reden hätte, ich schaffert alles ab.“
Josef Weinheber, Der Phäake.

„Ich war nur der dritte Zwerg von links.“
BAWAG Bilanzabteilungschef Robert Schatzer, der unter Anweisung von BAWAG-Generaldirektor Elsner die Jahre 1998-2000 bilanzierte und die Verluste zu kaschieren hatte.

„Von den ersten Karibikgeschäften habe ich nie erfahren.“
Hans Sallmutter, ehemaliger ÖGB Vizepräsident und ehemaliger Aufsichtsrat der BAWAG.

Karibikgeschäften
„Von den ersten Karibikgeschäften habe ich nie erfahren.“

„Ich kann mir nicht erklären, wie ich auf die Geschenkliste von Helmut Elsner kam.“
„Wusste auch nicht, dass Ruefa und Bawag dem ÖGB gehören“

Ehemaliger Polizeigeneral und Chef der Wirtschaftspolizei Roland Horngacher zu den Ruefa-Reisegutscheinen im Wert von mehreren Tausend Euro, die ihm im Kuvert auf den Tisch gelegt wurden (und nach deren Herkunft er nicht nachfragte).

„Unterlagen über die Sondergeschäfte gab es nicht, daher waren die Geschäfte auch nicht so ein großes Thema.“
Florian Botschen, KPMG-Wirtschaftsprüfer für die BAWAG, für den mehrere Milliarden Verlust kein Thema waren.

Die Meinl European Land (MEL) stelle „ein für allemal klar, dass sie durch die Meinl Bank nicht kontrolliert wird – weder rechtlich noch faktisch.“
MEL-Sprecher Rupert-Heinrich Staller, kurz bevor bekannt wurde, dass die Meinl-Bank unnötigerweise hunderte Millionen für die MEL im Kreis herum schob.

Börse-Chef Heinrich Schaller sieht die Vereinbarung mit MEL als wichtigen Schritt, der jetzt eine gesetzliche Klarstellung gebracht habe: „Die Einhaltung österreichischer Börseregeln sollte selbstverständlich sein. Wir haben MEL jetzt schriftlich auf diese Selbstverständlichkeit festgenagelt.“ Schaller sieht damit die Chance, dass von Meinl und der MEL irgendwelche krummen Dinge gedreht werden, drastisch verringert. Er hat’s ja jetzt schriftlich.