Kochende Hausfrauen

Claudia: Beruf?

Ruth: Einfache Hausfrau, Euer Gnaden.

Claudia: Habe ich gehört: „einfache Hausfrau“ mit Nobel-Penthouse auf der Tuchlauben?

Ruth: Bitte, Eure Hoheit, das habe ich mir von meinem Kassendienst bei der BAWAG vom Munde abgespart.

Claudia: Soso, hat also nichts damit, zu tun, dass sie vielleicht von ihrem Mann was vorgestreckt bekommen haben?

Ruth: War ja nicht notwendig. Ich hab’s ja ganz billig gekriegt. Und wir haben eines von den Bildern aus seinen Büros an den Flöttl verkauft. Ist nie jemand draufgekommen, dass die der BAWAG gehört haben.

Claudia: Hatten sie von den Verlusten Flöttls Kenntnis?

Ruth: Bei uns wurde übers Geschäft nur zweimal gesprochen. Helmut hat immer gesagt ‚ihr Damen versteht das ohnehin nicht‘, und ich bin ja wirklich ein naives Hausfrauerl. Ich wollte für meinen Mann ja immer nur Stricken und Fi–

Claudia: –Kochen meinen Sie?

Ruth: Wenn sie’s so sagen, ja.

Claudia: Hat Ihnen Ihr Mann von den Verlusten erzählt?

Ruth: Ja, zweimal. Beim ersten Mal … ich will ihnen nicht sagen, bei welcher – hihi – Gelegenheit das war. Er war ganz faltig – und kraftlos. Beim zweiten Mal in London. Bitte, ich habe mich so auf die Oper gefreut. Ich habe mir auch extra diese Reizwäsch‘ mit Intimschlitz gekauft…

Claudia: Dieses Detail müssen wir nicht unbedingt wissen…

Ruth: …und ich habe ewig gewartet, dass wir gehen. Aber er kam ganz blass aus dem Gespräch mit dem Flöttl raus. Vielleicht war die Mayonnaise auf den Kaviareiern nicht gut.

Claudia: Haben sie Flöttl nochmals gesehen?

Ruth: Ja, selbstverständlich. Mein Mann war ja so was wie ein älterer Mentor für ihn. Hat ihm alles beigebracht, was Flöttl dann gemacht hat.

Claudia: Danke an die Zeugin. Sie können gehen.

Ruth: Eine Bitte hätte ich noch, Euer Gnaden.

Claudia: Und die wäre?

Ruth: Darf ich ihm kochen? Der Gefängnisfraß ist nichts für unsereins. Und ich koch‘ ihm auch jeden Tag ein gutes Papperl. Sogar zweimal.

Claudia: Es hat sich ausgekocht.

Ruth: Gut, wie wär’s dann mit einem Freischein, dass er zu mir nach Hause kann?

Claudia: Zwei Straßenbahnfahrscheine können sie haben.

Ruth: Blöd. Zu uns fährt ja keine Straßenbahn. Geht nicht doch lieber der Freischein? Oder ein Taxigutschein?

Claudia: Raus!

Ruth: Oder ein paar Träger für unser Wasserbett. Seit dem letzten Urlaub in Marseille haben’s die Möbelpacker von der BAWAG nicht richtig hingestellt….

Claudia: Raus, oder ich verordne ihnen ein paar meiner Brillen!