Kümmeltürken und die gute alte Zeit

„Jeder Mensch hat einen Vogel. Nur die Prälaten glauben, der ihre ist der Heilige Geist.“

Abt Wilhelm Zedinek
Benediktinerstift Göttweig

Der Friede sei mit Euch, liebe Brüder und Schwester. Zu meinem Kummer sind es immer weniger Schäfchen, die ich so ansprechen kann, da sich viele in unserer Zeit vom rechten Glauben abwenden und den materiellen Götzen huldigen. Es macht mich betrübt zu sehen, dass andere „Religionen“ in ihrer Mitgliederzahl wachsen. Zum Beispiel der Islam – vergib oh Herr. Selbst wenn sie sich durch Selbstmordattentate und Bomben dezimieren, die Fruchtbarkeit der Moslems macht das immer wett.

Man möge nicht glauben, dass es auch bei uns mal Hoffnung und gute Zeiten gab. Meine ausgiebige Beschäftigung mit den wertvollen Handschriften aus der großen Epoche, in der die blökenden Schäflein der Kirche alles glaubten, hat mir die Augen für den rechtschaffenen Weg zu Gott geöffnet. Heute leider ist die katholische Kirche von Kuttenbüglern und Schattenparkern durchsetzt. Wir sind zu weich gegenüber den Schäfchen und entschuldigen uns beinahe, wenn wir sie per Kirchenbeitrag scheren.

Ich sage euch, eine Herde braucht auch heute noch den strengen Hirten und seinen harten Stock. Nur so bringen wir die Irrenden auf den sicheren Weg zum Paradies zurück. Wenn das nicht hilft, dann hilft der Schäferhund, der die schwarzen Schafe mal ins Wadel zwickt. Oder die ganz Störrischen die Klippen runterjauckt.

Das hat man vor wenigen hundert Jahren nicht nur verstanden, sondern auch gepredigt und gleich in die Tat umgesetzt. Welch Freude ist es zu lesen, dass vom Glauben Abgefallene durch Gottes Hand und der Scheiterhaufen Hitze sich der Versündigung bewusst gemacht wurden. Wie zwickte die Daumenschraube und der Spanische Stiefel die Zweifler zurück zu Gott, wie brachte die Streckbank die Ketzer zur göttlichen Einsicht. Auch Satan kam nicht davon, wenn er sich mit Hexen einließ. Wir schnappten ihm alle weg und versenkten und verbrannten sie.

Wie stark nur war das Christentum damals. Wie mächtig unsere Herrschaft. Wie gefürchtet das Kreuz in der Welt. Um die Botschaft der Liebe zu verbreiten darf man nicht zimperlich sein. Heute sind wir Softies. Keine Buberln sollen wir mehr abtapschen, keine Kaiser mehr maßregeln, keinen Küchenmädgen und Ordensfrauen mit dem Bischofsstab das Paradies zeigen. Nein, im Gegentum. Von uns verlangt man „Amen“ zu sagen, wenn jemand Maria Magdalena als Rinnsäufregatt’n bezeichnet? Wenn Marias jungfräuliche Empfängnis als Weihbeckentratsch angesehen wird?

Ich versündige mich fast, wenn ich verkünde: die Kümmeltürken machen es richtig. Die kacken sich nicht in den Kaftan und fackeln lange herum, wenn Ungläubige ihren Propheten als Kinderverzahrer und Epileptiker bezeichnen. Den Ungläubigen wird gern die Ankunft ins Paradies verkürzt. Was aber kuschen wir in unseren Kutten.

Bibel in Kirche
Friede sei mit Euch.

Unser Heiliger Vater wird abgewatscht und den Moslems wird zugeklatscht. Als dieser elende Schmierfink Haderer Jesus als Kiffer und Junkie gezeichnet hat, durften wir nicht aufmucken. Aber als die Dänen die Wahrheit über den Propheten zeichneten, waren alle froh, dass nur ein paar Botschaften abgebrannt sind.

Ich sage Euch, liebe Brüder und Schwester, lasst uns die Inquisition wieder einführen und den Herrn und die Sakramente verteidigen. Bringt die Liebe unter die Gläubigen, im Notfall mit Gemetzel und ohne Kondom. Es gibt eine Zeit des Friedens, und es gibt eine Zeit des Krieges. Und die Ehe ist nur zwischen Mann und Frau und nicht zwischen Schwuchteln oder Lesben. Und die Hostie gibt’s nur ohne Ketchup.

Friede sei mit Euch.