Banker feiern Meinl-Skandal

Zu einer Soirée der besonderen Art luden gestern die Platzhirsche unter den österreichischen Banken in den Festsaal des Haus der Industrie ein. Anlass der Veranstaltung war die erfolgreiche Demontage der Meinl Bank AG, die als Privatbank den in rot-schwarze Pfründe aufgeteilten Banken so notwendig erschien, wie eine „Oarsch-Warze“, erklärte ein Anwesender.

Neben Erste Bank-Chef Andreas Treichl, BA-CA Generaldirektor Erich Hampel, dem Generaldirektor der österreichischen Raiffeisen International Bank-Holding AG Herbert Stepic, dem Chef der Raiffeisenbank Oberösterreich Ludwig Scharinger, der Präsident der Österreichischen Nationalbank Herbert Schimetschek, waren auch Finanzmarktaufsichtschef Heinrich Traumüller, ebenso wie der ehemaliger Finanzminister Karl-Heinz Grasser mit seiner Gattin Fiona anwesend. Sie zelebrierten quietschvergnügt bei einem fünfgängigen Menü des Haubenkochs Reinhard Gehrer das „Mission accomplished“. Einzig und allein die früheren Generaldirektoren der BAWAG Walter Flöttl und Helmut „Marcel“ Elsner waren verhindert und richteten Grußworte an die Anwesenden.

In fröhlicher Sektlaune schwelgte die Bankerelite in Reminiszenzen und Anekdoten über die fast nach Plan verlaufenen Zerstörungsmission der Meinl-Gruppe. Ausgangspunkt war das freche Vorgehen der Meinl Bank AG in den 90er Jahren gewesen, die immer erfolgreicher sowohl vermögende Privatkunden gewonnen, als auch ertragsstarke Investmentgesellschaften an die Wiener Börse gebracht hatte. Nach einer vertraulichen Zusammenkunft der Vorstände der führenden Grossbanken und der Börsenleitung wurde die Planung der geheimen Verschwörung „Greißlerei“ in Angriff genommen. Ziel von „Greißlerei“ war die Zerreibung der Meinl Bank AG unter anderem durch die bewusste Weitergabe von falschen Tipps, die Überlassung vermeintlicher profitabler Pfründe und die Platzierung von „Maulwürfen“ innerhalb des Meinl-Imperiums.

Die Grossbanken führten die Attacke auf mehreren Fronten und mit etlichen Täuschungsmanövern durch. So wurden dem nichtsahnenden Julius Meinl V. im illegalen und Zinsen abstimmenden Bankersclub Jersey- und Karibik-Inseln als sichere Firmensitze für windige Investmentgesellschaften empfohlen. Die BAWAG zog die Meinl Bank zu angeblich gewinnträchtigen Deals heran, die als vergifteter Köder ausgelegt waren. Und die Erste Bank wiegte mit dem bewusst billig und geschmacklos gehaltenen Firmensitz am Graben in Wien gleich gegenüber der Meinl Bank dieselbe in falscher Sicherheit.

Einzig die gut angetäuschte, aber elendiglich ausgeführte Finte mit profitablen Karibikgeschäften, die die BAWAG einzufädeln hatte, brachte zwar letztendlich auch die Meinl Bank verlustreich in die Bredouille, gleichzeitig fiel die BAWAG aber auf den eigenen Trick herein und ging unter.

Als besondere Kabinettstückerln werden von den Verschwörern die Bestellung des vermeintlichen Meinl-Vertrauten Heinrich Traumüller als Chef der Finanzmarktaufsicht, sowie des ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser als „Geschäftsführer“(sic!) der Meinl International Power angesehen. „Damit hatten wir immer Einsicht in das verquere Denken von Meinl und waren ihm einen Schritt voraus“, meinte der sichtliche vergnügte Rädelsführer Hampel. „Die beiden kompetenten Kapazunder konnten durch konsequent angewandte Nichtleistung und einfach nur Sich-Selbst-Sein sukzessive die Reputation der Meinl-Gruppe anknacksen und schlussendlich umkippen.“

Special Agent Ariane Neuberger, alias Honigfalle

Beim Höhepunkt der Veranstaltung wurde als Ehrengast mit Standing Ovations der elitären Runde die von Hampel ins Spiel gebrachte Spezialagentin „Ariane Neuberger“ empfangen. Sie war von Hampel vorgeblich als Kuratorin des BA-CA-Kunstforums einsetzt worden. Ihre eigentliche Rolle sei aber von Anfang an die einer „Honigfalle“ für den Meinl-Chef gewesen. Sie sollte ihn nicht nur becircen und Geschäftsgeheimnisse entlocken – zur Not unter Einsatz ihrer körperlichen Reize – sondern auch den privaten Ruf des Ziels ruinieren. Dieser Aufgabe wurde Agent Neuberger dank ihrer wohlangelegten Proportionen und Talente mehr als gerecht. Neben der geschäftlichen Demontage der Meinl-Gruppe wurde Anfang 2008 auch die private Destruktion des Ziels erreicht, eine Scheidung steht Meinl ins Haus: seine eigene.

Auf die Frage, wie man zu Neujahr den Vater vom Fünfer-Julius um die Ecke gebracht hatte, wollten die Verschwörer nicht näher eingehen. Bereits merklich champagnerisiert erklärten sie, sich nicht in alle Karten sehen lassen zu wollen. Die anwesenden Pressevertreter werteten dies als Zeichen für bevorstehende weitere Aktionen der Verschwörergruppe.